„Spieler, die behaupten, sie könnten die Stimmung im Stadion ausblenden, erzählen nur die halbe Wahrheit“ – HFC-Stürmer Pascal Sohm im Interview

„Astro Alex“ und Pascal Sohm haben zwei Dinge gemeinsam. Beide sind aus dem Württembergischen Künzelsau und beide sind weit für ihren Traum gereist: Alexander Gerst auf den Mond, Pascal Sohm in die Domstadt an der Saale. Wir haben mit dem Goalgetter und Sympathieträger des Halleschen FC über die Fußballkulturen Ost und West, den Einfluss der Fans auf die Spieler und seine Erwartungen an die neue Saison gesprochen.

Du hast jetzt bei einem West- und einem Ostverein als Profi gespielt. Sind dir Unterschiede zwischen den Fußballkulturen im Westen und Osten aufgefallen?

Im Osten und speziell in Halle bestehen die Fanszenen schon länger als im Westen und die Anhänger stehen mit enorm viel Herzblut meist schon seit der Kindheit in der Kurve. Das spiegelt sich ein Stück weit auch dadurch wider, dass die Zuschauerzahlen über die ganze Saison relativ konstant sind. Unabhängig vom Wetter oder dem Tabellenstand sind die Fans sehr treu. Bei meinen vorherigen Stationen in Großaspach oder Ulm haben die Zuschauerzahlen stark mit den Leistungen und den Ergebnissen korreliert.

Unterscheidet sich die Stimmung in westdeutschen Stadien von der in ostdeutschen Stadien?

Die ostdeutschen Stadien sind meist noch nicht so modernisiert. Allerdings wird das durch die Stimmung der treuen Fans kompensiert. Die westdeutschen Stadien hingegen haben zwar weniger Fanvolumen, aber dafür auf den Fußball besser ausgerichtete Stadien. Beispielsweise hat Jena viele Zuschauer, allerdings geht die damit verbundene und potenziell mögliche Stimmung aufgrund des weitläufigen Stadions etwas unter. In Halle haben wir zum Glück eine reine Fußballarena, die seit Neubau 2011 recht modern ist.

Wie würdest du die Atmosphäre im HFC-Stadion beschreiben?

Die Stimmung im Erdgas Sportpark bzw. im altehrwürdigen Kurt-Wabbel Stadion ist aufgrund der großen Fankultur richtig cool. Aus der Fankurve hinter dem Tor kommt eine Menge Energie, die wir Spieler auf dem Platz spürbar wahrnehmen. Auf der Haupt- und Gegentribüne sind nicht die klassischen Ultras, aber dennoch HFC-Anhänger, die man während des Spiels aber aufgrund ihrer ruhigeren Art eher selten wahrnimmt.

Wie wichtig ist für dich als Spieler die Atmosphäre im Stadion und der Kontakt zu den Fans?

Man unterschätzt die eigene Fanszene und deren Unterstützung als Außenstehender immer etwas. Spieler, die behaupten, sie könnten das ausblenden, erzählen nur die halbe Wahrheit. Im laufenden Spiel selbst nimmt man die Fans wenig wahr. Das Spiel hat aber immer wieder Pausen, in denen man die Stimmung regelrecht aufsaugt und der Körper dadurch Adrenalin und Endorphine ausschüttet, die leistungsfördernd sind. Man spricht in der Hinsicht auch immer gerne davon, dass die Fans einen „pushen“. Das würde ich zu 100% unterschreiben.

Diese Saison steht das berüchtigte Derby gegen Magdeburg an. Welches Gefühl hast du im Hinblick auf das Spiel?

Ich hatte bislang noch kein Derby mit dem HFC gegen Magdeburg. Allein aufgrund der beiden großen Fankulturen wird das ein tolles Aufeinandertreffen mit jeder Menge Stimmung. Aufgrund der jeweiligen „nicht vorhandenen Fanfreundschaft“ hat das Spiel zusätzlich noch einen ganz anderen Reiz, weshalb das Spiel für die Fans und gleichbedeutend auch für uns als Mannschaft einen besonderen Stellenwert hat. Ich gehe aber aufgrund einer tollen Kulisse und einer besonderen Atmosphäre eher mit Vorfreude als mit Ehrfurcht in dieses Spiel.

An welches HFC-Spiel denkst du am liebsten zurück?

Besonders gerne spiele ich zuhause unter Flutlicht. Das ist immer ein gewisses Flair und hat besonderen Charme. Sehr gerne denke ich an unseren 4:0 Heimerfolg gegen den KFC Uerdingen in der letzten Saison zurück, in dem wir uns regelrecht in einen Rausch gespielt haben. Über das ganze Spiel waren wir in einer Art „Flow“.

Was ist dein Ziel für die kommende Saison mit dem HFC?

Das Ziel wird es sein, wie letztes Jahr schon, einige Favoriten zu ärgern, wobei diesmal aufgrund einer sehr offensiven Transferpolitik einige Vereine dazuzählen werden. Wir wollen trotz namhafter Gegner unseren eigenen dominanten Spielstil durchsetzen. Dann wird es für jede Mannschaft schwer, gegen uns zu bestehen.

Du hast neben dem Fußball Sportwissenschaften studiert. Wie leicht war der Spagat zwischen Profisport und Studium?

Die Zeit während meines Studiums und des Profifußballs war wirklich schwierig, dadurch, dass ich an der Universität in Stuttgart studiert habe und nicht, wie viele andere, per „Fernstudium“ alles selbst planen konnte. So war ich sowohl auf kulante Dozenten als auch auf ein entsprechendes Trainerteam angewiesen. Mit dem Konzept der SG Sonnenhof Großaspach, die das duale System mit Profifußball und einer beruflichen Aus- und Weiterbildung unterstützt, war ich für diese Zeit daher an der richtigen Adresse.

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