Wir sind der 12. Mann – Hymnen des Ostens

„Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten.“ Das kann man Sepp Herberger wohl kaum abstreiten. Doch was wäre der Fußball ohne die dazugehörigen Fans mit ihren ausgefallenen Gesängen? Wir haben uns auf die Suche nach den eindrucksvollsten Hymnen des Ostens der Republik gemacht und dabei kommt man nunmal nicht an den Ultras der SG Dynamo Dresden vorbei.

Toni Polster hat bereits gesagt: „Ohne Fans gibt es keinen Fußball.“ Und eine beindruckende Fanszene zeichnet sich eben durch lautstarke Gesänge aus.

Wir waren im Rudolf-Harding-Stadion, als die Dynamo gegen den FC St. Pauli angetreten ist. Ein Spiel, das bereits im Vorfeld aufgrund  gegenseitiger Sticheleien zwischen den jeweiligen Ultras eine hitzige Stimmung versprach. Als sich die Dresdenelf kurz vor Anpfiff in der Kabine befand, heizte der Stadionsprecher so richtig ein und animierte den gesamten Block, ihre Jungs beim Betreten des Spielfelds anzufeuern. Den Gänsehautmoment, wenn knapp 30 Tausend Fans ihren Verein besingen, könnt ihr in folgendem Video selbst erleben.

Dy-Dy-Dy-Dy, Na-Na-Na-Na, Mo-Mo-Mo-Mo – Wir sind Dynamo! Ein polarisierender Gesang, der einem garantiert bei jedem Heim- und Auswärtsspiel der SG Dynamo die Ohren betäubt. Und das können wir aus eigener Erfahrung berichten. Doch die Fans der Sportgemeinschaft aus Elbflorenz haben gesanglich noch mehr zu bieten, nämlich ihre eigentliche Vereinshymne:

Wir sind der 12. Mann – Eine Hymne, die eine lange Tradition aufweist. Denn eines ist klar: Fangesänge entstehen nicht aus heiterem Himmel. Wir wollten wissen, was hinter dieser Hymne steckt und haben uns auf die Suche nach der Entstehungsgeschichte gemacht. Alles beginnt mit Rockmusiker und Komponist Bernd Aust. Das Dresdner Urgestein hatte sich bereits während der späten 70er in der ostdeutschen Musikszene einen Namen gemacht. Seine Band „Electra“ galt bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2015 als eine der ältesten aktiven Bands in Deutschland. Doch wie kam es dazu, dass ausgerechnet ein Rockmusiker die legendäre Hymne der Schwarz-Gelben komponierte?

Blicken wir zurück in das Jahr 1989. Dresden ist soeben Fußballmeister der DDR geworden und die Meisterfeier stand an. Was fehlte war ein Lied, um diesen sportlichen Erfolg zu würdigen. Der Dresdner Stadtrat vergab diese Aufgabe an Aust. Dieser machte sich zusammen mit dem Songwriter Rainer Rönsch ans Werk. Im damaligen Produktionsstudio von „Electra“ wurden erste Tonspuren aufgenommen. Dies war die Geburtsstunde eines echten Stadionchors mit zündender Melodie, um dem damaligen Wortlaut gerecht zu werden. Die Prämiere der Hymne fand wie geplant kurze Zeit später auf der Meisterfeier statt. Der Erfolg war jedoch nur von kurzer Dauer. In den Folgejahren der Meisterfeier verschwand das Lied wieder, da der Text nicht zum seinerzeit erfolgsverwöhnten Dresdner Fußballpublikum passte.

Mitte der 90er Jahre wollte man Aust ein zweites Mal beauftragen, eine Hymne für die SGD zu schreiben. Diesmal weigerte er sich jedoch. Vielleicht kann man ihm dies nach seinem ersten Misserfolg auch nicht verübeln. Schließlich schaffte die Hymne doch noch ihren Durchbruch. Nachdem der Verein 1995 einen Zwangsabstieg erlitt und damit auch viele Anhänger verlor, waren schwierig Zeiten für die übrig gebliebenen Dynamo-Fans angebrochen. Ein Fan erinnerte sich an die Hymne und platzierte sie im Sprecherturm. Nun passte das Lied zur Situation der Fans und wurde von dort an zu einem Klassiker der ostdeutschen Fangesänge.

 

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